Perfektes ABC auf 5100 m.ü.M. Stephan Siegrist geniesst die Abendsonne und die tolle Aussicht auf den 6155 meter hohen Cerro Kishtwar. Foto: Thomas Huber 

Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar. Exped unterstützte das erfolgreiche Team mit vier Zelten, zwei Orion II Extreme für das Basecamp und zwei Polaris-Einwandzelte für die höher gelegenen Advanced Basecamps.

Foto: Stefan Bühl

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren. Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. 

Foto: Stefan Bühl

Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer! Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. 

Foto: Stefan Bühl

Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: "Wir werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt. Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. 

Photo: Stefan Bühl

Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: "Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Oder auf Boarisch: „Reiss di zam!“ 

Foto: Stefan Bühl

Nach der nächtlichen Rückkehr der erfolgreichen Besteigung ins ABC auf 5100 Meter. Wie schon während der Besteigung schneite es täglich einmal. Glücklicherweise konnten wir auf die guten Exped Zelte zählen! 

Mit dabei waren 4 Exped-zelte:

> 2 x Einwandzelte Polaris

> 2 x Orion Extreme

Foto: Stephan Siegrist

Klettergeschichte des Cerro Kishtwar

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel. Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen. Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.